Jede Schachtel ist einmalig


Bei der Kontrolle: Packmitteltech­nologe Giuseppe Di Mauro überprüft die Lesbarkeit eines Codes. Foto: Scheffler

Wie wir vor gefälschten Medikamenten geschützt werden

Dem Laien fällt das erst mal gar nicht groß auf: „Unsere Arznei-Verpackungen sind inzwischen einmalig!“ Jede einzelne Schachtel ist
etwas anders, durch jeweils eigene Codes und Seriennummern.
Dazu kommen ein fester Sicherheitsstreifen über der Lasche, stabil verklebte Seitenteile, glänzende Oberflächen, auffallende Schriften …

All diese raffiniert ausgetüftelten Ideen haben einen guten Grund: „Sie sollen Verbraucher vor gefälschten Medikamenten schützen“, erklärt
Armin Rambach. Er ist Teamleiter Forschung und Entwicklung bei Faller Packaging. Das Unternehmen in Waldkirch (bei Freiburg) zählt zu den führenden europäischen Herstellern von Verpackungen für die Pharma-Industrie und hat für seine Innovationen schon etliche Preise eingeheimst.

Beim aktiv-Besuch in der Produktion zeigt Rambach manche Details, die man leider nicht fotografieren darf – und erklärt die politische Vorgabe.

EU-Richtlinie für ein vernetztes Sicherheitssystem

2019 wurde ein digital vernetztes Sicherheitssystem in Europa eingeführt, das für verschreibungspflichtige Medikamente unter anderem die
„Serialisierung“ verlangt. Jede Verpackung muss eindeutig identifizierbar sein: So kann ein Medizinprodukt über die gesamte Lieferkette hinweg verfolgt werden. „In der Apotheke wird beim Einscannen an der Kasse die Echtheit eines Medikaments noch ein letztes Mal überprüft“, so Rambach.

Aber auch Sicherheitsverschlüsse sind nun Pflicht: Wenn der Klebestreifen über der Kante intakt ist, kann der Verbraucher sicher sein, ein Originalprodukt in den Händen zu halten (schon früher produzierte
Medikamente ohne die neuen Sicherheitsmerkmale dürfen noch abverkauft werden).

„Letztlich soll auch ein Laie sofort erkennen können, ob eine Schachtel manipuliert wurde“, sagt Rambach. „Das gelingt uns zum Beispiel über versteckte Klebepunkte, die den Karton zerstören, wenn man
die Schachtel öffnet.“

Was aber, wenn etwa ein Arzt vorab den Beipackzettel lesen will? Dafür muss er die Schachtel nicht mehr öffnen! Es gibt QR-Codes oder Spezialchips auf der Packung, die über spezielle Smartphone-Apps die gespeicherten Infos preisgeben.


An der Fertigungslinie: Maschinenführer Alexan­ der Herr (links) und Entwicklungsleiter Armin Rambach mit Falt­schachteln für Arznei.
Foto: Scheffler

Die Faltschachtel der Zukunft

Und wie schaut wohl die innovative Faltschachtel der Zukunft aus, nachdem für die Sicherheit offenbar alles getan wurde? „Sie ist digital
und intelligent“, sagt der Experte voraus, „sie wird zum Beispiel die Zahl der verbleibenden Tabletten wissen und Patienten an die Einnahme
erinnern.“

Übrigens: 1882 gegründet, beschäftigt Faller heute mehr als 1.300 Mitarbeiter an acht Standorten in Europa. Rund 2,5 Milliarden Faltschachteln werden pro Jahr produziert, außerdem Packungsbeilagen
und Haftetiketten.

Ein Artikel von Maja Becker-Mohr. Zuerst erschienen am 14.12.2019 in der Wirtschaftszeitung aktiv


Zurück

Karriere Papier Verpackung0 minuten vorher

Guten Tag! Wie können wir dir helfen?22:25

Du verwendest Microsoft Internet Explorer.

Um Probleme bei der Anzeige zu vermeiden, wechsle bitte zu einem moderneren Browser.