Pappkameraden für den Onlinehandel

Pappkameraden für den Onlinehandel: Die Wellkistenfabrik Fritz Peters aus Moers rutschte in die Krise. Ein mutiger Schritt brachte die Wende.

Ein Artikel von Florian Rinke. Zuerst erschienen im General-Anzeiger Bonn.
Foto: Reichwein

Wenn Winfried Flemmer neue Kunden gewinnen will, gehen er und seine Mitarbeiter in den Supermarkt und schauen sich um. „Man findet dort immer Verpackungen, bei denen wir Potenzial für eine Optimierung sehen und bei denen wir wissen: Das geht besser“, sagt Flemmer. „Wenn wir die Unternehmen dann ansprechen, erleben wir häufig positive Reaktionen. Oft entsteht daraus eine erfolgreiche Zusammenarbeit.“

Flemmer hat 2012 bei der Wellkistenfabrik Fritz Peters aus Moers die Geschäftsführung übernommen – und das Unternehmen von Grund auf verändert. Das Werk war nicht ausgelastet, der Maschinenpark veraltet, immer wieder sorgten Defekte an Maschinen für teure Stillstände, während die Produkte – Obst- und Gemüsesteigen aus Wellpappe – einem harten Preiskampf ausgesetzt waren. Dennoch erkannte Flemmer das Potenzial: „Die Mitarbeiter waren kompetent und motiviert, es gab allerdings dringenden Bedarf an neuen profitablen Produktbereichen.“

Geschäftsführer Winfried Flemmer (r.) und Mitarbeiter Ralf Hornemann an einer Maschine für Faltschachteln.
In der Wellkistenfabrik: Geschäftsführer Winfried Flemmer (r.) und Mitarbeiter Ralf Hornemann an einer Maschine für Faltschachteln. Foto: Reichwein

Pappkameraden für den Onlinehandel – Die Geschichte

Die Wellkistenfabrik Fritz Peters wurde 1938 vom gleichnamigen Unternehmer in Krefeld gegründet. Fortan belieferte das Unternehmen die Keks- und Süßwarenindustrie mit Verpackungen aus Wellpappe. Nach dem Umzug nach Moers 1958 spezialisierte man sich zunehmend auf Obst- und Gemüsesteigen: Standardware, die vor allem günstig sein muss.

Der Wettbewerb war in diesem Segment groß, die Produktion in Moers nicht kostendeckend. Gleichzeitig hatte das Unternehmen in anderen Bereichen viele kleinere Kunden, für deren Bestellungen die Maschinen immer wieder umgerüstet werden mussten. Und als wäre all das nicht Herausforderung genug, kam es oft zu Reklamationen. All das kostete Zeit und Geld. Die Wellkistenfabrik Fritz Peters machte Verluste.

Pappkameraden für den Onlinehandel – Die Gegenwart

Acht Jahre später ist alles anders. In der großen Halle in Moers laufen die Maschinen auf Hochtouren. Die Eigentümer haben kräftig investiert, um das Werk zu modernisieren. Ihr Mut hat sich ausgezahlt. Neue Maschinen wurden angeschafft, seit Juni arbeiten hier sogar Roboter in der Produktion mit. 300 000 bis 400 000 Quadratmeter Wellpappe werden jeden Tag produziert. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld hat rund 7000 Quadratmeter. Durch die neuen Maschinen haben sich auch die Produkte der Wellkistenfabrik Fritz Peters grundlegend verändert.

Obst- und Gemüsekisten spielen keine Rolle mehr, stattdessen hat das Unternehmen ein deutlich lukrativeres und stark wachsendes Segment erschlossen: den Onlinehandel. Quasi parallel zum Dienstantritt von Winfried Flemmer entwickelte sich der Internet-Handel immer rasanter, aus kleinen Start-ups wie dem Online-Modehändler Zalando wurden europaweit agierende Konzerne. Und mit jedem neuen Unternehmen in diesem Bereich stiegen der Bedarf an Verpackungen und damit die Chancen für das Moerser Unternehmen.

Denn Winfried Flemmer und sein Team erkannten die sich bietende Chance. „Eine unserer Kernkompetenzen ist die Veredelung in Form von Stanzen und Kleben“, sagt Flemmer. Das Unternehmen bietet zum Beispiel Versandverpackungen an, bei denen der Boden verklebt ist. Anstatt mühselig Kartons zusammenzubauen, können die Mitarbeiter von Online-Händlern diese mit einem Handgriff aufklappen.

Gleichzeitig richtete man sich auch geografisch neu aus. Einen beträchtlichen Teil seines Umsatzes, immerhin ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag, macht man heute in den Niederlanden. Auch dadurch konnte man seit 2011 beim Umsatz um 30 Prozent zulegen, während der Markt nur um knapp elf Prozent wuchs.

Die Probleme im Betrieb hat man inzwischen in den Griff bekommen. Die neuen Kunden benötigen größere Mengen, dadurch müssen die Maschinen seltener umgerüstet werden. Gleichzeitig wurde der Stillstand durch eine vorbeugende Instandhaltung verringert. Die Maschinen werden jetzt gewartet, bevor sie kaputt gehen. „In Deutschland gibt es rund 100 Wellpappen-Erzeugungsanlagen. Einige Hersteller sind aber nicht mehr tarifgebunden. Wir schon. Also müssen wir produktiver sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Winfried Flemmer. Um diesen Weg in Zukunft weitergehen zu können, will das Unternehmen noch mehr Kunden in der Region von sich überzeugen, gleichzeitig aber auch den Generationswechsel im Unternehmen mit 157 Mitarbeitern weiter vorantreiben.

Pappkameraden für den Onlinehandel – Die Zukunft

„Wir haben hier jedes Jahr eine Jubilarfeier mit zahlreichen Jubilaren, manche werden sogar für 40 Jahre Betriebszugehörigkeit geehrt“, sagt Flemmer: „Da viele Leistungsträger aber altersbedingt in den nächsten Jahren ausscheiden werden, sind wir stets auf der Suche nach engagierten und qualifizierten Azubis.“ Die Wellpappen-Erfolgsgeschichte soll schließlich fortgeschrieben werden.

Pappkameraden für den Onlinehandel Ein Artikel von Florian Rinke. Zuerst erschienen im General-Anzeiger Bonn.
Foto: Reichwein


Zurück

Karriere Papier Verpackung0 minuten vorher

Guten Tag! Wie können wir dir helfen?22:25

Du verwendest Microsoft Internet Explorer.

Um Probleme bei der Anzeige zu vermeiden, wechsle bitte zu einem moderneren Browser.