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Alles auf Anfang…

Beitrag vom 5. Oktober 2022

Alles auf Anfang… Die Flutkatastrophe traf J. M. Schmitt hart. Nun blickt man wieder nach vorne.

An die Zeit vor gut einem Jahr will sich Produktionshelfer Fabian G. am liebsten gar nicht mehr erinnern. „Wir haben damals sozusagen nur noch funktioniert“, sagt er nachdenklich. „Und getan, was eben getan werden musste.“ Beim aktiv-Besuch in der Firma J. M. Schmitt geht es um die Flutkatastrophe, die auch den Betrieb in Bad Neuenahr-Ahrweiler hart traf – und um ihre Bewältigung.

Mittlerweile läuft nämlich sehr vieles wieder, wie der Mann zum Beispiel an einer Produktionslinie zeigen kann. Er ist einer von 35 Beschäftigten des Unternehmens, das auf hochwertige Rundverpackungen wie Versandhülsen spezialisiert ist sowie auf Membran- und Kombidosen. Die werden zum Beispiel für Brühpulver oder Puderzucker gebraucht. Dank modernster Maschinentechnik zählte der Familienbetrieb
immer zu den Vorreitern in seinem Produktsegment. Dann kam der Juli 2021.

Alles auf Anfang… Erst mehrere Monate nach der Flut läuft die erste Anlage wieder

Extrem starke und anhaltende Niederschläge lösten eine Flutkatastrophe aus, die in Rheinland-Pfalz und NRW über 180 Menschenleben forderte und gigantische wirtschaftliche Schäden verursachte (mehr dazu: aktiv-online.de/flut). Stark betroffen war Bad Neuenahr-Ahrweiler im Ahrtal. „Das, was wir damals hier erleben mussten, sprengt jede Vorstellungskraft“, betont Personalchefin Doris Schmitt. Sie führt den Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann Erwin, unterstützt von ihren Söhnen. Als sie nach dem Abebben der Flut über einen Einstieg im Dach erstmals wieder in die Produktion sehen konnte, stand das Wasser im Gebäude über zwei Meter hoch: „Selbst tonnenschwere Teile schwammen in einer ekligen Brühe und lagen später kreuz und quer herum.“

Überall schmutziger Schlamm: Unzählige Stunden Arbeit waren nötig…
…um allein diese Anlage wieder ans Laufen zu bringen.

Inzwischen läuft immerhin gut die Hälfte des Maschinenparks wieder – „dank des unermüdlichen Einsatzes der Belegschaft und auch vieler weiterer Helfer“, wie Doris Schmitt dankbar sagt. Als die erste Anlage mehrere Monate nach der Flut endlich wieder sauber funktionierte, wurde das denn auch richtig gefeiert.

„Den Betrieb aufgeben, wie von der Versicherung vorgeschlagen? Das war für uns damals keine echte Option“, sagt die Unternehmerin. Was beim Durchhalten entscheidend half: Ein Großteil der Kunden blieb J. M. Schmitt treu. „Ein Segen für uns – und nicht selbstverständlich“, so Doris Schmitt.

Glück im Unglück: Doris und Stefan Schmitt vor einer neuen Anlage, die verspätet geliefert wurde – und deshalb erst nach der Flut.

Der Neuanfang ist noch nicht beendet: „So ein gewachsener hochautomatisierter Produktionsbetrieb ist ein sehr komplexes System, das lässt sich nicht in ein paar Monaten komplett wieder aufbauen“, erläutert Stefan Schmitt, Betriebswirt und IT-Spezialist.

Alles auf Anfang… Elektronikbauteile werden mit der Zahnbürste gereinigt

Sein Bruder Rainer ist Feinwerkmechaniker-Meister und kümmert sich um den Neuaufbau der Anlagen: Überflutete Schaltschränke, die man früher wohl verschrottet hätte, werden aufgrund der Lieferengpässe sorgfältig ausgeschlachtet, Elektronikbauteile werden mit der Zahnbürste von Hand gereinigt.

Stolz im Job: Bei Fabian G. und seinen Kollegen laufen die Rundverpackungen nun wieder reibungslos vom Band.

Zu den speziellen Sorgen sind neue hinzu gekommen, vor allem die explodierenden Energiekosten, aber auch fehlende Fachkräfte. Aber: „Wir hängen hier alle mit viel Herzblut drin“, sagt Stefan Schmitt – und das nächste große Ziel stehe schon fest. „Wir wollen 2027 das 100-jährige Jubiläum mit unseren Beschäftigten feiern.“ Bis dahin dürfte der Neustart nach der Flut wohl endgültig gelungen sein.

Alles auf Anfang… – ein Artikel von Maja Becker-Mohr. Erschienen am 01.10.2022 in der Wirtschaftszeitung aktiv

FOTOS: AKTIV/GERD SCHEFFLER (3); J.M. SCHMITT (1)


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